Extras from The Horn Call, October, 2021

Recording of Beethoven Sonata

Original German version:

Gottfried von Freiberg (1908-1962)

Hornist, Lehrer, Vorbild

von Robert Freund

GvF1

Wer war Gottfried von Freiberg?

Rund heraus: Freiberg war mein Hornlehrer, war unser Akademieprofessor, war ein Vorbild für eine ganze Generation von Hornisten in Österreich. Über diese Persönlichkeit gab es bislang nichts Genaueres nachzulesen, abgesehen von schütteren und unpersönlichen Eintragungen in einem Musiklexikon.

So begann ich in den Jahren 2018 und 2019, Notizen zu machen und Gedanken zu sammeln über seine Abstammung, seine Familie, sein Musikstudium. Ich forschte nach, warum er ausgerechnet beim Boston Symphony Orchestra ein Jahr gespielt hat, bevor er ins Nazi-Wien zurückkehrte, und wie er den Krieg und die NS-Zeit überlebt hat. Was waren die Begleitumstände der Uraufführung des 2. Hornkonzertes von Richard Strauss, in dem Freiberg 1943 in Salzburg den Solopart gespielt hat? Als sich die Fragen häuften, begann ich, ernst zu machen – und niederzuschreiben.

Aufstieg in der Zwischenkriegszeit

Gottfried von Freiberg war Kind einer hohen Beamtenfamilie, geboren in Wien am 11. April 1908. Horn lernte er an der Wiener Musikakademie beim berühmtesten Hornisten seiner Zeit, Karl Stiegler, dem Solohornisten der Wiener Philharmoniker, der gleichzeitig sein eigener Onkel war. Freiberg begann seine Hornkarriere 1927 als 1. Hornist in Karlsruhe, wo gerade der Wiener Dirigent Joseph Krips Chefdirigent war. Aber schon ein Jahr später, 1928, wird Freiberg bei den Wiener Philharmonikern assistierender 1. Hornist neben Stiegler. Nach dessen Tod 1932 wird Freiberg im Alter von 24 Jahren 1. Solohornist. Gleichzeitig übernimmt er vom verstorbenen Onkel auch die Lehrstelle an der Wiener Musikakademie.

1936 ging Freiberg auf eine Saison als 1. Hornist nach Boston zum BSO, wo damals Sergei Koussewitzki und Pierre Monteux dirigierten und wo er sich seinen Dienst mit dem ortsansässigen Solohornisten des BSO, Willem Valkenier, teilen sollte. Auf die Umstände, warum Freiberg in Boston nicht heimisch, sondern eher noch angefeindet, ja sogar verdächtigt wurde, komme ich im Buch ausführlich zu sprechen. Freiberg wusste natürlich auch in Boston schon, dass in Österreich allgemein längst die Nazis das Sagen hatten, im Speziellen auch in den Reihen der Philharmoniker nicht nur Sympathisanten, sondern auch NSDAP-Mitglieder saßen. Dessen ungeachtet warf Freiberg nach zwölf Monaten in Boston das Handtuch, kehrte aus den USA zurück und war ab 1937 wieder Solohornist der Wiener Philharmoniker und Professor an der Akademie. 

Die NS-Zeit     

Man sollte nicht den Fehler machen, die NS-Zeit in Österreich erst ab dem „Anschluss“ 1938 und bis Kriegsende zu sehen. Die NS-Bewegung – auch in Österreich – fing vor den 1930er-Jahren an und dauerte bis in die 1960er Jahre. Längst waren Gegner des neuen Systems und Juden auf schwarzen Listen festgehalten worden. Es wurde akribisch darüber Buch geführt, wer in Österreich jüdisch verwandt oder gar jüdisch versippt=verheiratet war. Von Freiberg wusste man, dass er nicht nur NS-Gedankengut strikt ablehnte, sondern auch, dass sein Großvater Jude war – an sich damals beinahe schon ein Todesurteil. Schon wenige Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 bekam Freiberg das neue Hitler-Regime zu spüren und erhielt zwei Schreiben. Das erste bestätigte ihm, „vierteljüdisch“ zu sein, das zweite war seine fast fristlose Kündigung von der Musikakademie. Nur dem Einsatz des berühmten Dirigenten Wilhelm Furtwängler bei den obersten Nazi-Behörden in Berlin war es schließlich zu verdanken, dass Freiberg und acht andere „unabkömmliche“ Mitglieder der Wiener Philharmoniker weiter im Orchester spielen durften. Viele politisch Unliebsame wurden sofort gekündigt oder hatten fliehen müssen. Aufgrund dieser „Sondergenehmigung“ machte die Akademie ihre Kündigung rückgängig und stellte ihn wieder ein. Diesen neun Philharmonikern ging es den Krieg hindurch den Umständen entsprechend miserabel. Ein Nachlassen des künstlerischen Niveaus etwa aus gesundheitlichen Gründen hätte die sofortige Entlassung zur Folge gehabt, dementsprechend groß muss der auf Freiberg lastende Druck gewesen sein!

Künstlerischer Höhepunkt mitten im Krieg

Ausgerechnet in diese politisch so lebensgefährliche Kriegszeit fiel 1943 einer der Höhepunkte von Freibergs Musikerkarriere: Die Uraufführung des 2. Hornkonzertes von Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen mit ihm als Solisten, den Wiener Philharmonikern und Karl Böhm als Dirigenten. Der Komponist Richard Strauss kam eigens aus Bayern zur ersten gemeinsamen Orchesterprobe, verließ diese aber vorzeitig, fuhr wieder nach Hause und erschien auch nicht zur Uraufführung am 11. August 1943. Eine Absenz, die in der mitteleuropäischen Musikwelt Erstaunen und ungelöste Fragen aufwarf. Erst vor kurzer Zeit – im 3. Jahrtausend – ist es dem bekannten deutschen Hornisten Peter Damm gelungen, dieses Geheimnis zu lüften. In meinem Buch ist ausführlich die Rede davon. Für Freiberg – ebenso für uns Schüler – war und bleibt die Uraufführung durch ihn einer der künstlerischen Höhepunkte seines Lebens.

Orchestervorstand in der Nachkriegszeit

1945 war der Krieg vorüber, die Wiener Philharmoniker brauchten dringend einen im Sinne der Entnazifizierung „unbelasteten“ Orchestervorstand, denn nur ein solcher konnte mit den vier Besatzungsmächten (den USA, Russland, Frankreich und England) erfolgreich verhandeln. Und die Besatzungsmächte hatten überall, auch in der Kultur, das Sagen. So wurde Freiberg zum Orchestervorstand der Wiener Philharmoniker gewählt – auch ein Höhepunkt seines Lebens, diesmal auf gesellschaftlicher Ebene. Er scheiterte jedoch an unüberbrückbaren Differenzen innerhalb des Komitees und der intern extrem angespannten Situation der unmittelbaren Nachkriegszeit. Freiberg legte seine Position als Vorstand deshalb schon nach einem Jahr nieder und begründete diesen Schritt ausführlich in einem „Memorandum“, das im Buch in voller Länge wiedergegeben wird.

Die schweren Kriegszeiten in Wien, die Bombenangriffe, die Sorgen um die Familie, der aufreibende Beruf bei Staatsoper und Philharmonikern, Schallplattenaufnahmen und der auf vier Tage pro Woche aufgeteilte Unterricht an der Akademie, das übermäßige Rauchen und Kaffeetrinken und das nächtliche Notenschreiben – das alles in Summe führte zunächst zu Herzinfarkten und 1962 zu seinem frühen Tod im Alter von 54 Jahren.

Freiberg als Hornlehrer

Zur Zeit meiner Mittelschule in der Schweiz hatte ich mehrere Blechblasinstrumente gespielt. Nach meiner Rückkehr nach Wien 1953 wollte ich Musik studieren. Auf die Frage nach den Berufschancen sagten mir die Leute: „Sind Sie wahnsinnig, Musik studieren?! Und wovon wollen Sie leben?“ 

Wohl vorbereitet trat ich an der Wiener Musikakademie zur Aufnahmsprüfung an. Freiberg wollte jedoch keine Etüden hören, sondern sagte freundlich: „Spielen Sie eine C-Dur-Tonleiter.“ Mit seinem „Danke – erster Jahrgang“ war ich an der berühmten Akademie aufgenommen.

Mein Hornunterricht war immer montags, mittwochs und freitags. Freiberg und einige andere Bläserprofessoren an der Akademie hatten die gleiche Anordnung: Ab Beginn des Unterrichtes, ca. 13 Uhr, mussten alle Schüler der Klasse im Unterrichtszimmer anwesend sein. Die Fortgeschrittenen begannen und mussten vor der ganzen Klasse vorspielen, während die Anfänger zuhören mussten, um dabei die Stücke und auch die Fehler kennen zu lernen. Wir fanden das ein gutes System – wir Junge lernten viel, ohne noch einen einzigen Ton geblasen zu haben.

Die Zeit zwischen Ende des Unterrichtes und Beginn seines Dienstes in der Oper überbrückte Freiberg oft durch Gespräche mit mir im leeren Klassenzimmer. Er rauchte und erzählte aus seinem Orchesterleben, über Opern, Dirigenten, sogar seine Arbeit bei der Musikergewerkschaft – ich lauschte hingerissen.

Freiberg war seinen Studenten gegenüber sehr geduldig, er regte sich auch nicht auf, wenn man einmal schlecht vorbereitet war, war immer höflich, mit jedermann per Sie, sprach einen feinen Wiener Dialekt. Der normale Unterricht dauerte zwischen 20 und 30 Minuten. Die Dauer änderte sich schlagartig, wenn ein Schüler bläserische Probleme hatte mit dem Ansatz, den Lippen, der Handhaltung, den Zähnen, dem Mundstück, der Atmung – dann konnte Freiberg bis zu 45 Minuten um den Schüler herumtanzen, ihn von allen Seiten beobachtend, und das ging so lange, bis plötzlich das Problem einfach weg war und der Schüler wieder normal blasen konnte. Freiberg’sches Kunststück!

Nur selten erlebte ich, dass er einem Schüler etwas vorspielte - vielleicht, weil er nach dem Unterricht in der Oper Dienst hatte. Ausgerechnet bei mir machte er zwei Mal eine Ausnahme, er spielte mir das Hornsolo aus der 2. Brahms am Ende des 1. Satzes vor.

Freiberg war (nach einem Herzinfarkt) monatelang im Krankenstand gewesen, durfte aber unterrichten. Als er von einem Schüler gefragt wurde, wie man am besten ein hohes as² anbläst, nahm er sich das längst vertrocknete Wienerhorn aus dem Kasten, richtete sein Mundstück darauf ein, setzte ruhig an und blies – nach Monaten ohne Horn – ein wunderschönes, sanftes <dda> am as². Als er bei seiner letzten Sylvesterparty von seinem Freund, einem Bassposaunisten, gefragt wurde, wie tief man am Horn eigentlich blasen könne, ergriff er genauso eines der Hörner, setzte an und blies ohne Herumsuchen ein klares Kontra a, also ein klingendes Kontra d, an. Jeder Hornist in der Welt wird wissen, was das heißt.

Freibergs größter Einfluss auf mich lag nicht im Reden, nicht im Unterricht, sondern in seinem Vorbild, das er mir als Mensch und Musiker bot. Er war in jeder Beziehung genau der Hornist, der auch ich werden wollte. Eines Tages fragte er mich im Unterricht: „Freund, wolln S’ mit mir drei Wochen nach Brüssel fahren?“ In Brüssel war damals, 1958, Weltausstellung – und ob ich wollte. Ich hatte dort täglich Schau-Unterricht, bei dem Zuhörer und Zuseher dabei sein konnten.

Im gleichen Jahr konnte ich der Versuchung, ein wenig Geld zu verdienen, nicht widerstehen und nahm – wohl sehr zum Missfallen meines Lehrers – eine Hornstelle im Orchester der Philharmonia Hungarica in Wien an. Er hat nie ein Wort dazu gesagt – er blieb immer freundlich. Ich ging zwar weiter in den Unterricht, bevor ich jedoch die Reifeprüfung ablegen konnte, starb er.

Konkretes aus dem Unterricht

Freiberg unterrichtete in völliger Ruhe, freundlich, hilfsbereit, aufmerksam und sehr bei der Sache – er stand immer neben dem Flügel – und kontrollierte. Den Anstoß wollte er klar und deutlich haben, eher mit deutlichem <dda> als mit hartem <tta>, aber kein Hineinschleichen in den Ton. Oft kamen die vielen Eigenheiten beim Spielen auf dem Wiener F-Horn zur Sprache. Und F-Horn mussten wir Wiener alle blasen. Nur bei internationalen Studenten ließ er auch das Doppelhorn gelten. Sehr wichtig war ihm, dass beim Musizieren mit Klavierbegleitung der Schüler nicht teilnahmslos „herunterspielte“, sondern dass er aus jeder Note Musik machte. 

In meinem Buch über Freiberg habe ich einiges von dem, was Freiberg (und Kollegen) beim wienerischen Phrasieren und Artikulieren besonders wichtig erschien, festgehalten. Er war, wie viele seiner philharmonischen Bläserkollegen, völlig durchdrungen von der Wichtigkeit, die österreichische Musiziertradition, die auf die Violinschule von Leopold Mozart zurückgeht, hochzuhalten, sie selber beim Spiel zu beachten, sie vor allem bei seinen Schülern zu lehren. Unerbittlich und ausdauernd verlangte er den schönen Hornton, beim Artikulieren der kleineren Notenwerte die Angaben Mozarts, ein sauberes Staccato – alle Noten, auch im Staccato, mussten glockenartig verklingen. Staccato durfte auf keinen Fall abgezwickt werden. Lange Auftakte, ja selbst die Länge von einzelnen Noten hatten ihre Werte und Gepflogenheiten. 

Ich erinnere mich an ein Vorspielen in der Stunde, wo Freiberg mit meinem Vortrag im 4. Hornkonzert von Mozart so lange korrigierte, dass ich schon nicht mehr wusste, was und wie ich überhaupt noch spielen sollte. Er hat es hingekriegt, auch bei mir. Und wie dankbar war ich ihm all die Jahrzehnte, dass er beim Unterricht nicht lockerließ, sondern mich (stilistisch) so hartnäckig zu Mozart hinführte.

In mehreren Notenbeispielen habe ich versucht, auch dem Außenstehenden Einblick in die Wiener Musiziertradition zu bieten. Man könnte direkt von einem Steckenpferd Freibergs sprechen, wenn es um hörbare Bindungen und das Länger-Halten der ersten Noten (von jeweils zwei Gebundenen) ging. In diesen musikalischen Ausdrucksformen war Freiberg – und mit ihm einige WPh-Kollegen – unnachgiebig. Regelrecht versessen war Freiberg auf Bindungen, „Nachschieben“ beim Binden war ihm ein Horror. 

Als absolutes „No-Go“ galten also bei Freiberg Nachschieben in Bindungen, Abzwicken im      Staccato und lustloses Dahinspielen.

Die Schüler Freibergs

1932 war Freiberg seinem Onkel Karl Stiegler als Hornlehrer nachgefolgt. Von ihm und von Schantl hatte er auch die reichlich gefüllte Bibliothek an Hornnoten übernommen. Freiberg unterrichtete an der Wiener Musikakademie von 1932 bis 1962. Ich widme seinen Schülern schon deshalb ein Kapitel, weil ja gerade seine Schüler einen großen Teil seines Lebens füllten. Er kümmerte sich um Schüler nicht nur im Unterricht, sondern auch privat, wenn es angezeigt war. Neben seiner umfangreichen Schülerliste gibt das Buch Aufschluss darüber, was später aus diesen Schülern geworden ist.

Freiberg in Zeitzeugnissen

Der Wiener Dirigent Josef Krips, früherer Chefdirigent des San Francisco Symphony Orchestra und Ehrenbürger von San Francisco, stellte in seinem Erinnerungsbuch dem jungen Freiberg ein wunderschönes Zeugnis aus. 

In meinem Buch zitiere ich Briefe von 24 total unterschiedlichen Zeitzeugen, davon viele aus dem Orchester der Wiener Philharmoniker. Diese Zeitzeugnisse bieten einen herrlichen Überblick darüber, wie Kollegen und Musikbegeisterte (auch Laien) damals Freiberg sahen und wie sie ihn einschätzten.

Freiberg als Komponist, Autor und auf Aufnahmen

Freiberg komponierte an die 50 Hornquartette oder -quintette, Fanfaren, Arrangements, er leitete immer wieder auch den Wiener Waldhorn Verein, für den er auch komponierte.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass Freiberg nach dem berühmten Vorbild von Ferdinand Löwe das Adagio aus der 7. Symphonie von Anton Bruckner für fünf Hörner bzw. für acht Hörner arrangiert hat. Die Partituren und Stimmen wurden in Österreich 2020 aufgelegt und sind seither erhältlich. LANOLINO MUSIKVERLAG (www.lanolino.at/musikverlag).

1938 wurde Freiberg von einem großen deutschen Musikverlag beauftragt, einen Lexikonabschnitt über das Horn zu verfassen. Dort schrieb er an die 20 Seiten und beleuchtete unser Instrument historisch, technisch, in der Entwicklung und nach Ländern. Er spricht übers Transponieren, den Ansatz, das beste Alter zum Beginnen des Studiums. Er nennt seine Arbeit DAS HORN, sie ist hochinteressant und ich habe vieles daraus in meinem Buch in kurzer Form wiedergegeben.

Auf Tonträgern existieren noch heute mit Freiberg: Das 2. Hornkonzert von Richard Strauss, aufgenommen in Wien drei Monate nach der Premiere in Salzburg, viel Kammermusik, Mozart- und Beethoven-Oktette, das Mozart-Hornquintett KV 407, das Bläseroktett von J. Haydn mit dem großen Hornsolo im Trio, viele alte LPs mit den Wiener Philharmonikern, das Notturno aus dem Sommernachtstraum von Mendelssohn mit Pierre Monteux sowie das Schubert-Oktett für Streicher und drei Bläser.

Freiberg und das Wiener F-Horn

Freiberg war zu seiner Zeit, also 1928 bis 1962, der absolute Vertreter und Hüter des Wiener F-Hornes; ein anderes Instrument kam für ihn nicht in Frage. Er wachte nicht nur über die Beibehaltung des Instrumentes, sondern betonte immer wieder auch die wienerische Spielweise. Das Doppelhorn wegzulegen und das F-Horn herzunehmen – das war noch kein F-Horn-Blasen.

Freiberg interessierte sich immer für Hörner. Leider waren im Wiener Raum keine wirklich guten Instrumentenmacher zu finden – technisch gesehen. Tonlich waren ihre Hörner Spitze! Sehr stolz war Freiberg auf ein wahrscheinlich vom Wiener Anton Cizek gebautes F-Hoch-F-Horn. Er zeigte es gern her, auch mir, und ich erinnere mich, wie er mir zuflüsterte: „Ganz weich stoßen, dann geht’s am besten.“ Ich durfte nach seinem Tod so manche heikle Stelle drauf blasen.

Während bei den Wiener Philharmonikern ausnahmslos Wiener F-Horn geblasen wurde, wurde in anderen Wiener Orchestern ab dem II. Weltkrieg teilweise oder auch von ganzen Horngruppen das Doppelhorn verwendet. Durch glückliche Umstände, hauptsächlich durch die technische Verbesserung der Wienerhörner, sind mittlerweile aber die großen Orchester Wiener Symphoniker, Volksoper und Tonkünstlerorchester Niederösterreich wieder komplett auf das Wienerhorn zurückgekehrt. 

Das Wienerhorn, so steht es auch in meinem Buch über Freiberg zu lesen, ist weitaus mehr eine Lebenseinstellung oder musikalische Glaubensfrage denn eine Notwendigkeit oder reine Geschmackssache. Die Überzeugung der Orchester und ihrer Horngruppen, dass unser Bruckner mit den Wiener Hörnern und dem gesamten Blech dem Brucknerklang von 1890 am nächsten kommt, richtet uns auf und erfüllt uns mit Stolz. Diese österreichische Eigenart durfte im Freibergbuch nicht fehlen. 

Wie schade, dass man niemanden mehr fragen kann, wie denn das Hornspiel Freibergs 1936 in Boston bei den amerikanischen Zuhörern und Kollegen angekommen (oder abgelehnt worden) ist. Es bleibt ein Geheimnis, wie so manches aus Freibergs Leben.

freundRobert Freund, geb. in Wien 1932, wurde in der Nachkriegszeit vom Schweizerischen Roten Kreuz in die Schweiz verschickt, verbrachte seine Gymnasialzeit in der Stiftsschule Engelberg (1946-53) und erlernte dort verschiedene Instrumente. Nach der Rückkehr nach Wien absolvierte er die Hotelfachschule, studierte Dolmetsch und ab 1955 an der Wiener Musikakademie Horn bei Prof. Gottfried von Freiberg. Er war als 1. Hornist bei der Philharmonia Hungarica, beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester und schließlich als Solohornist bei den Wiener Symphonikern engagiert. Neben seiner solistischen Tätigkeit war er begeisterter Kammermusiker (Wiener Bläserquintett), und unternahm zahlreiche Tourneen durch ganz Europa, den Nahen Osten, die USA und Kanada sowie nach Japan. Während seiner gesamten Berufszeit unterrichtete er Horn (zuletzt an der Musikhochschule Graz) und gab u.a. eine Hornschule für Junge Anfänger (bei Doblinger) heraus. Robert Freund ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er ist bis heute ein Verfechter des Wiener F-Horns und der Wiener Musiziertradition. Seine Biographie über Gottfried von Freiberg erschien im Dezember 2020 (Eigenverlag).

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Übersetzung dieses Artikels für den Horn Call: 

Elisabeth Freund-Ducatez und Cecilia Cloughly


Recording of Gottfried von Freiberg and Yella Pessl performing Beethoven's Sonata for Horn and Piano.

Columbia Records, New York, May 3, 1937

Recordings generously provided by Howard Sanner.

Movement 1

Movements 2-3

For more historic recordings, visit Howard Sanner's website.

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