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essIch freue mich sehr, auf Einladung von Prof. Ab Koster einen pädagogischen Beitrag für den IHS Newsletter zu schreiben. Ich werde heute über die kammermusikalische Arbeit und die Wichtigkeit des gemeinsamen Musizierens innerhalb meines Unterrichtes sprechen.

Ich habe erst kürzlich die Professur an der Musikhochschule Lübeck übernehmen dürfen und bin momentan dabei, eine neue Klasse aufzubauen. Hierfür ist es für mich von besonderer Wichtigkeit, eine gute Mischung aus noch sehr jungen, gerade im Bachelor anfangenden und schon etwas älteren Masterstudierenden, die auch schon erste Orchestererfahrung sammeln konnten, zu vereinen. Jeder kann so etwas vom anderen lernen, sich selbst weiterentwickeln und sich mitziehen lassen von denen, die schon weiter sind. Eine Klasse, in der jeder den anderen respektiert und bei der das Gefühl eines Zusammenhalts vorrangig ist. Das habe ich selbst in meinem Studium in Stuttgart so erlebt und möchte ich auch in meiner Klasse von Anfang an als oberstes Prinzip festhalten.

Um dieses zu erreichen, habe ich gleich zu Beginn Hornquartette innerhalb der Klasse zusammengestellt, mit denen ich zusätzlich zum Einzelunterricht, der natürlich Hauptbestandteil des Studiums ist und immer sein sollte, auch im Ensemble arbeiten kann.

Durch meine langjährige Kammermusikerfahrung in den verschiedensten Besetzungen, aber auch hauptsächlich in den letzten Jahren durch das Quartettspiel mit german hornsound weiß ich, wie wichtig das gemeinsame Musizieren, das Auf-einander-Hören und vor allem das allgemeine Kommunizieren (auch neben dem Spielen bei der Probenarbeit) ist. Vor allem die Kommunikation mit den KollegInnen und Studierenden braucht man später in jedem Beruf, ob man nun OrchesterhornistIn, KammermusikerIn oder PädagogIn wird. Deshalb achte ich auch innerhalb der Quartette darauf, verschiedene Alters- und Niveaustufen zu vereinen und zusammenzubringen. Wir arbeiten anhand der Quartettliteratur an der Intonation, der Balance, dem Zusammenspiel und an einer gemeinsamen Artikulation und Phrasierung, um so einen Quartettklang zu erzeugen, bei dem zwar jeder als individueller Hornist zu hören ist, bei dem aber trotzdem die Klangqualität und Homogenität als Ensemble im Vordergrund steht. Des Weiteren versuche ich auch, die Studierenden möglichst viel Kammermusik mit Streichern machen zu lassen, denn die Art, wie Streichinstrumente phrasieren, differenzieren und kommunizieren können, sollte auch für uns HornistInnen trotz der technischen Schwierigkeiten, die unser Instrument betreffen, das erstrebenswerte Ziel sein und wir müssen den Anspruch haben, dieses nachzuahmen.

 Zusätzlich zu den Quartettstücken werde ich auch mit den Ensembles gemeinsam Orchesterstellen im Satz erarbeiten. Es gibt – gerade für unser Instrument – neben den vielen Solostellen für das erste Horn auch eine große Anzahl an Duo- (Beethoven-Sinfonien, Mozart-Opern…), Trio- (Eroica, Fidelio, Dvorak Cellokonzert, Weber Klarinettenkonzert…) und Quartett- oder Unisonostellen (Bruckner, Mahler, Wagner, Schostakowitsch, Strauss…), die sich gemeinsam gut erarbeiten lassen und man so die Mitspieler nie aus dem Blick verliert.

Die Probespielstellen sind ein wichtiger Bestandteil und gleichzeitig Freud und Leid eines jeden Studierenden. Jeder hat individuelle Stärken und Schwächen, hat Stellen, die einem leichter oder schwerer fallen und merkt, dass es bei den Mitstudierenden evtl. andersherum ist.

Das gemeinsame Spielen und Erarbeiten der Stellen hilft meiner Erfahrung nach ungemein, auch für das Probespiel nicht nur seine Stimme mit Scheuklappen zu pauken und dann im Ernstfall oft nervös zu sein, sondern sich an die anderen, auch wenn sie nicht da sind, halten zu können.

Das Vorspielen ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt für mich. Ich mache so oft es möglich ist interne Übungsvorspiele, bei denen hauptsächlich die Probespielstücke und die Orchesterstellen gespielt werden und ich möchte versuchen, einmal im Semester ein großes Ensemblekonzert mit den Quartetten zu etablieren, die sich dann auch zu Oktetten oder noch größerem Hornensemble vereinen. Zusätzlich zu den individuellen Problemen, die jeder HornistIn hat und die man im Einzelunterricht löst, stellt doch das Auftreten die große Mehrheit der Studierenden vor Schwierigkeiten. Ein wichtiger Schritt, dagegen anzukämpfen, ist es, das Auftreten zur Routine zu machen und so die negative Nervosität, die einem die Knie zittern lässt, die einem das Gefühl eines trockenen Mund gibt, die die Atmung flach werden lässt und den Hals zuschneidet, umzuwandeln in eine positive Energie und Nervosität, mit der man mit Spaß und Freude seinem Publikum etwas darbietet, im besten Fall sogar noch einen drauflegen kann und das gewisse Etwas, eine Magie erzeugen kann, die unseren Beruf so wunderbar macht.


Neben seiner Tätigkeit als Solohornist der Bamberger Symphoniker ist Christoph Eß Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerben. Zum Wintersemester 2017/2018 folgte er einem Ruf als Professor für Horn an die Musikhochschule Lübeck. Eß absolvierte sein Studium bei Prof. Christian Lampert in Basel und Stuttgart und schloss im Juni 2008 mit Auszeichnung ab. Er wurde mit Preisen beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2005 in München, beim Internationalen Musikwettbewerb „Prager Frühling 2007“, beim Richard-Strauss-Wettbewerb sowie beim „Concorso per Corno di Sannicandro di Bari“ ausgezeichnet. 2008 wurde ihm der Solistenpreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern verliehen, 2009 ein Stipendium des Deutschen Musikrats und 2011 der Preis der Orpheum Stiftung in Zürich. Als Solist gastierte er bei vielen führenden Orchestern in Deutschland, der Schweiz, Österreich, und Tschechien. Außerdem ist er Gründungsmitglied des “German Hornsound-Quartett."

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