uk flagEnglish version


hinterholzerMit Begeisterung verfolge ich die Newsletter der IHS und insbesondere die Gedanken über pädagogische Themen. Ich würde gerne über ein Thema sprechen, auf das mich mein Lehrer Prof. Josef Mayr, Mozarteum Salzburg, der leider vor wenigen Tagen verstorben ist, immer wieder aufmerksam machte: Das Schärfen der Wahrnehmung.

Jeder hat so etwas ähnliches schon erlebt: Man übt eine Passage mit Metronom und hat an einer gewissen Stelle den Eindruck, dass das Gerät plötzlich schneller oder langsamer wird. Man nimmt den Rhythmus subjektiv anders wahr als es in der Realität der Fall ist. Ähnlich verhält es sich mit Intonation. Es ist schwierig die eigene Intonation wahrzunehmen, wenn man selbst spielt.

Bei sehr vielen Studenten konnte ich beobachten, dass es durchaus ein Bewusstsein dafür gibt wie sie das eigene Spiel gestalten wollen: wie sollen Klang, Artikulation, Rhythmus, Intonation, Dynamik, Phrasierung, musikalische Linienführung usw. sein. Die Ausführung entspricht aber oft nicht der Intention des Spielers - was bei einem so schwierig zu beherrschenden Instrument wie dem Horn nicht außergewöhnlich ist. Entscheidend für den Fortschritt ist aber die objektive Wahrnehmung genau dieser Abweichungen.

Lerne Dir genau zuzuhören. 

Dazu ein persönliches Erlebnis: In meinem ersten Jahr an der Musikhochschule spielte ich ein Stück, dass mit einem einfachen Rhythmus auf einem wiederholten h1 begann. Viertel, zwei Achtel, Viertel, zwei Achtel, Viertel, zwei Achtel,… Mein Lehrer, oben erwähnter Prof. Josef Mayr, beanstandete meinen Rhythmus immer und immer wieder. Ich war 100%ig sicher, dass ich im richtigen Rhythmus spiele aber er war anderer Ansicht. Es dauerte 15 min bis wir diese vier Takte hinter uns lassen konnten - nach diesem Unterricht ging ich nach Hause und nahm besagte Takte mit meinem Kassettenrecorder auf. Erst als ich die Aufnahme angehört hatte erkannte ich, dass mein Rhythmus nicht richtig war. Wie konnte mich meine Wahrnehmung so trügen? Heute weiß ich, dass dies eine Fähigkeit ist, die man erlernen und trainieren kann.

Zu Beginn ist es sehr schwierig zu erkennen, ob das was man selbst hört auch wirklich das, ist was beim Zuhörer ankommt. Dazu benötigt man anfangs Hilfe: die Ohren des Lehrers. Der Lehrer schult also nicht nur die Vorstellung, sondern hilft diese zu überprüfen. Die eigene Wahrnehmung schult man, indem man sich immer wieder aufnimmt und die Aufnahme anhört. Glücklicherweise gibt es dafür heute hervorragende technische Lösungen, ohne ein Tonstudio besuchen zu müssen. 

Welche praktischen Möglichkeiten gibt es noch um die Wahrnehmung zu schärfen?

In puncto Rhythmus kann das Metronom ein sehr wirkungsvolles Werkzeug sein. Oft empfinden wir das Metronom aber einengend. Daher empfehle ich mit der Vorstellung zu spielen, dass nicht wir dem Metronom folgen, sondern dass das Metronom uns folgen muss. Eine andere Möglichkeit ist es, das Metronom auf „off beat“ zu stellen.

In puncto Intonation kann das Stimmgerät die eigene Tonhöhe visualisieren. Abgesehen von temperierter bzw. reiner Intonation geht es aber vor allem darum uns selbst eine Meinung zu bilden. Deshalb empfehle ich zu „Referenztönen“ (zB von einem Stimmgerät) zu spielen oder aber im Ensemble (vom Duo aufwärts) sich Zeit zu nehmen um Intervalle und Akkorde auszustimmen. Damit erreichen wir eine Sensibilisierung für Intonation auf ganz natürliche Art. 

In puncto Phrasierung gilt es die verschiedenen Gewichtungen der einzelnen Töne zu erkennen. Da das produzieren von Tönen am Horn relativ kompliziert ist empfiehlt es sich zuerst nur an der Form der Luft zu arbeiten. Dazu „spricht“ man die Musik nur mit den Konsonanten dfffff - auf einem gedachten Ton. Bei jeder Artikulation sprechen wir ein neues dffff. Wir können so die Form der Luft (Menge, Artikulation, Crescendo, Decrescendo,…) viel leichter hören.

In puncto Vorstellung empfehle ich möglichst viel gute Musik zu hören. Wir können sehr viel von anderen Musikern (Sänger, Instrumentalisten, Orchester,..) lernen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Hornisten viel Freude mit unserem tollen Instrument und mit dem wunderbaren Gebiet der Musik.